Atelierbesuch bei Ele Runge

Wie vielleicht einige wissen, betreibe ich eine Galerie in Brandenburg. Und wäre nicht das Jahr 2020 so kompliziert, wie es jetzt gerade ist, so würde ich mit Freude Ele Runges Arbeiten in meiner bescheidenen Kunstscheune vorstellen.

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Stattdessen habe ich die Künstlerin in ihrem Atelier in Hamburg besucht.

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Als ich im Vorwege recherchierte, konnte ich sehen, dass Ele Runge eine interessante Fotokünstlerin ist. Ich erwartete Fotos und Portraits, wusste, dass sie Teil des Künstlerinnenverbundes GEDOK ist und hatte vage den Begriff Performance im Sinn.

 

An den Wänden hingen Fotoarbeiten, die auf den ersten Blick wie ein Kaleidoskop wirkten. Muster, die sich mandalaartig, oder wie die Kristallstruktur einer Schneeflocke, über das Papier ausbreiteten.

 

CARPETS, die tatsächlich den geheimnisvollen Wandteppichen ähneln, wie man sie dekorativ in Seide gewebt aus Persien schätzt. Wer Perserteppiche kennt, weiß, dass es nicht irgendwelche gefälligen Muster sind, die absichtslos zusammengefügt wurden, sondern, dass jeder Teppich individuell gefertigt wird. Die Muster der Orientteppiche dienen nützlichen und symbolischen Zwecken und sie wurden auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Als ich die Teppiche von Ele Runge näher betrachtete, sah ich keine Symbole, sondern Menschen. Familien auf der Flucht. Geflüchtete hinter Natodraht. Aber auch Menschen in Obdachlosigkeit. Menschen auf erzwungener Wanderung. Das ist das zentrale Thema in Ele Runges künstlerischer Arbeit.

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Ele Runge arbeitet mehrere Monate an einem Teppich. Fotos werden digital zerlegt, neu positioniert und zusammengefügt und oft auch zeichnerisch nachbearbeitet . Daraus entstehen Vexierbilder. Muster. Rapporte. Wie bei Teppichen üblich.  Stacheldraht wird zeichnerisch zu vermeintlich harmlosen Schmuckbändern stilisiert und doch verliert das Bild nichts von seiner bedrohlichen Wirkung.

Derzeit ist Ele Runges Arbeit in der Ausstellung: Turbulenzen – Kunst in bewegten Zeiten, der GEDOK bei der 4. PAMPINALE des kulturforum Pampin zu sehen.

Ein Landausflug nach Mecklenburg, der sich garantiert lohnt. Bis zum 4. Oktober 2020 können dort sowohl Ele Runges Rauminstallation, als auch die Werke 29 anderer Künstlerinnen der GEDOK besichtigt werden.
Und da wir sowieso vermehrt virtuell unterwegs sind, verlinke ich hier Ele Runges Website.
Viel Spaß beim Besuch!

 

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